05.11.2015

FACHTAG: Die Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen langfristig sichern

Eine der größten Herausforderungen im Zusammenhang mit dem ungebrochenen Zustrom von Flüchtlingen ist neben der  Frage der Unterbringung deren Gesundheitsversorgung.  Viele der Ankommenden haben sich Verletzungen zugezogen, leiden an Auszehrung oder sind traumatisiert. Ohne die Unterstützung der vielen ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer könnte selbst die gesundheitliche Grundversorgung nicht mehr gewährleistet werden.

Doch was passiert wenn die Welle der Hilfsbereitschaft wieder abebbt? Welche Strukturen brauchen wir um die große Zahl an Asylsuchenden langfristig versorgen und integrieren zu können? Wie kann das Gesundheitswesen auf den Zustrom von Menschen mit geringen Kenntnissen der deutschen Sprache reagieren?

Diese Fragen möchten wir mit ihnen gemeinsam am 10. Dezember 2015 im Rahmen des Fachtages „Gekommen um zu bleiben“ in Hannover diskutieren. Beginnend mit einem Interview mit Runak Sabbar-Letaief, die etwas über ihre Lebensgeschichte erzählen wird, und daran anschließenden eher wissenschaftlichen Beiträgen über die Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen,  sind es vor allem die vielen Praxisbeispiele aus Niedersachsen, die aufzeigen vor welchen Herausforderungen wir stehen und wie wir diese angehen können.

Weitere Informationen, das Programm der Veranstaltung sowie die Möglichkeit zur Anmeldung können sie dem Flyer entnehmen. Wir freuen uns auf ihre Teilnahme.

Gekommen um zu bleiben_Flyer

Landesvereinigung für Gesundheit und
Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V.

Fenskeweg 2 | 30165 Hannover
Telefon: 0511 / 388 11 89 – 4
Fax: 0511 / 350 55 95
E-Mail: marcus.waechter@gesundheit-nds.de
Internet: www.gesundheit-nds.de

 

22.10.2015

PSYCHOTHERAPEUTENKAMMER BERLIN
Modellprojekt für psychisch kranke Flüchtlinge vorgeschlagen

Bundesärztekammer (BÄK) und Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) fordern eine bessere psychotherapeutische und psychiatrische Versorgung von psychisch kranken Flüchtlingen. Ob ein Flüchtling eine Psychotherapie benötigt, muss von unabhängigen und qualifizierten Gutachtern geprüft werden. Bisher fällen solche Entscheidungen viel zu häufig Sachbearbeiter in den Sozialbehörden oder fachfremde Gutachter. Falls eine Psychotherapie indiziert ist, muss außerdem der Einsatz von Dolmetschern finanziert werden. BÄK und BPtK schlagen deshalb gemeinsam ein Modellprojekt für die psychotherapeutische Versorgung von Flüchtlingen vor, das aus Bundesmitteln finanziert werden soll.

Kern des Modellprojekts sind drei aufeinander abgestimmte Module. Das erste Modul sieht den Aufbau eines bundesweiten Dolmetscherpools vor. Eine Koordinierungsstelle würde die Sprachmittler qualifizieren und zertifizieren, an Ärzte und Psychotherapeuten vermitteln und auch deren Vergütung abwickeln. Als zweites Modul schlagen BÄK und BPtK in jedem Bundesland eine Koordinierungsstelle für die psychotherapeutische Behandlung von Flüchtlingen vor. Diese soll für die Beantragung, Begutachtung, Genehmigung sowie Vergütung von Psychotherapien bei Flüchtlingen zuständig sein. Die Begutachtung, ob die beantragte Psychotherapie indiziert ist, soll durch einen unabhängigen und qualifizierten Gutachter erfolgen. Die Koordinierungsstelle entscheidet über die Psychotherapie auf Grundlage des Votums des Gutachters. Sie leistet auch die Vergütung der Ärzte und Psychotherapeuten und rechnet die Ausgaben mit der Behörde ab, die gesetzlich die Kosten übernehmen muss. Ein drittes Modul stellt die erforderliche Qualifizierung der Ärzte und Psychotherapeuten sicher. Spezifische Kompetenzen (u.a. Kenntnisse im Asylrecht)sollen durch entsprechende Fortbildungen der Landesärztekammern bzw. Landespsychotherapeutenkammern sichergestellt werden. Zudem sollte es möglich sein, dass sich nicht nur Vertragsärzte und-psychotherapeuten, sondern auch psychotherapeutisch tätige Ärzte und Psychotherapeuten, die in Privatpraxen, Flüchtlingszentren oder universitären Forschungs- und Hochschulambulanzen tätig sind, an dem Modellprojekt beteiligen können. Weitere Details finden Sie hier:

Modellprojekt_Versorgung_psychisch_kranker_Fluechtlinge.pdf (PDF, 190 kb)

Quelle: http://www.psychotherapeutenkammer-berlin.de/show/8672260.html

 

18.09.2015

PRESSEMITTEILUNG
Psychisch Kranke Flüchtlinge: Ermächtigungen für Psychotherapeuten notwendig

BPtK veröffentlicht Ratgeber: Wie beantrage ich eine Ermächtigung?

Berlin, 18. September 2015: Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) fordert Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen auf, sich für die kurzfristige Ermächtigung von Psychotherapeuten zur Versorgung psychisch kranker Flüchtlinge einzusetzen.

Mindestens jeder zweite Flüchtling ist psychisch krank. Bisher werden aber nicht mehr als vier Prozent der Flüchtlinge psychotherapeutisch versorgt. In der ambulanten Versorgung und in psychosozialen Flüchtlingszentren sind deutlich mehr Psychotherapeuten notwendig, um posttraumatische Belastungsstörungen und Depressionen behandeln zu können.

Die BPtK schätzt, dass in diesem Jahr mindestens 40.000 psychisch kranke Flüchtlinge eine psychotherapeutische Behandlung brauchen. Bisher können pro Jahr aber nur rund 4.000 Flüchtlinge behandelt werden.
Für solche Ermächtigungen sind keine neuen gesetzlichen Regelungen notwendig.
Ärzte und Psychotherapeuten können nach der Zulassungsverordnung der Vertragsärzte (§ 31 Absatz 1 Nr. 2 Ärzte-ZV) ermächtigt werden, vertragspsychotherapeutisch tätig zu werden, sofern dies notwendig ist, um einen begrenzten Personenkreis zu versorgen. Flüchtlinge sind ein solcher begrenzter Personenkreis, der zurzeit so gut wie nicht versorgt wird. Ermächtigungen sind zeitlich begrenzt, im Regelfall auf zwei Jahre.

Die psychotherapeutischen Leistungen für Flüchtlinge werden zwar über die Krankenkassen abgerechnet. Nach § 264 Absatz 7 SGB V werden den Kassen aber die Kosten von den zuständigen Sozialhilfeträgern vierteljährlich erstattet. Eine Ermächtigung muss beim Zulassungsausschuss beantragt werden und ermächtigt zur Behandlung mittels eines Richtlinienverfahrens. Die BPtK hat eine Information für Psychotherapeuten erstellt, die eine Ermächtigung für die Versorgung von Flüchtlingen beantragen wollen. Wer eine solche Ermächtigung erhält, ist berechtigt, vertragspsychotherapeutische Leistungen für Flüchtlinge zu erbringen und diese auch mit den Krankenkassen abzurechnen.

Wie beantrage ich eine Ermächtigung? – PDF

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