Im Gespräch: Die DTPPP-Vorsitzende

Dachverband der transkulturellen Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im deutschsprachigen Raum e.V. – ein, wir geben es zu, sperriger Name. Er verrät aber schon das wichtige Anliegen, das der Verein – kurz DTPPP – verfolgt. Unsere Vorsitzende Dr. Ljiljana Joksimovic nimmt Stellung zu den Aufgaben und zu der Bedeutung des Vereins.

Frau Dr. Joksimovic, können Sie in zwei Sätzen zusammenfassen, welche Ziele der DTPPP verfolgt?

Ziel ist es, das Bewusstsein der Fachöffentlichkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die medizinischen, psychologischen und psychosozialen Aspekte der Versorgung psychisch Erkrankter mit Flucht- oder Zuwanderungsgeschichte zu verbessern. Wir möchten die Bedeutung des Themas hervorheben und es sozusagen „weg vom Rand“ holen.

Sie leisten damit also einen gesellschaftlichen Beitrag.

Sehr wohl, denn die psychische Gesundheit eines jeden von uns ist nach wie vor für die Chancengleichheit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben relevant. Damit ist psychische Gesundheit von Menschen mit Flucht- oder Zuwanderungsgeschichte für die Integration und das Miteinander ein wichtiger Aspekt. Ziel des DTPPP ist es, diese Menschen zu stärken.

Wie geschieht das konkret?

Durch eine enge und gute Vernetzung von unterschiedlichsten Akteuren sowie Partnerinnen und Partnern, die sich für transkulturelle Arbeit in der Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie einsetzen bzw. die richtigen Anlaufstellen für Patientinnen und Patienten sind. Auch wollen wir diese Netzwerkpartner und Vereinsmitglieder unterstützen, z.B. durch kollegiale Beratung, Fort- und Weiterbildung, ihre praktische Arbeit migrationssensibel zu gestalten. Unsere jährlichen Kongresse tragen seit dreizehn Jahren dazu bei.

Wer kann sich im DTPPP engagieren und beteiligen?

Natürlich alle, die sich in dem Themenspektrum bewegen oder es unterstützen möchten. Wir freuen uns auch über Partnerinnen und Partner aus den Bereichen Forschung und Politik. Aktuell zählen wir rund 250 Mitglieder im DTPPP.

Was ist – aus Sicht des DTPPP – eine „Idealvorstellung“?

Eine Gleichheit der Chancen auf Behandlung und Genesung! Diese Idealvorstellung scheitert in meinen Augen durch Überbewertung von Sprach- und Kulturbarrieren. Diese Barrieren sind sehr gut überwindbar durch Einsatz von Sprach- und Kulturmittlern sowie durch das Nutzen von Mehrsprachigkeit und Diversität der Mitarbeitenden. Allzuviele Menschen fallen wegen fehlender Strukturen in Institutionen durch das Raster und werden so benachteiligt. Fehlende Bereitschaft der Krankenkassen, transkulturelle Leistungen inkl. Sprachvermittlung zu finanzieren, ist ein großes Problem, welches der Chancengleichheit im Bereich der Gesundheitsversorgung im Wege steht. Politischer Wille ist nur vereinzelt spürbar. Die Idealvorstellung mancher Akteure scheint „Chancengleichheit zum Nulltarif“ zu sein. Das stelle ich mir schwierig vor.